Daniel MeisterFinanzberatung

Arbeitskraft

„Ich bin verbeamtet. Brauche ich überhaupt eine Berufsunfähigkeitsversicherung?“

Berufsunfähigkeit für Beamte: warum es auf die Dienstunfähigkeitsklausel ankommt

Porträt von Daniel MeisterDaniel Meister · ·9 Minuten
Treppenhaus eines Verwaltungsgebäudes mit Terrazzostufen, Stahlgeländer und hohem Sprossenfenster.

Diese Frage höre ich in Wiesbaden häufiger als jede andere zur Arbeitskraft. Sie kommt aus dem Polizeipräsidium Westhessen, aus den Landesministerien, aus der Stadtverwaltung und aus den Schulen. Die Antwort hängt weniger vom Beruf ab als davon, in welchem Status du gerade bist.

Dahinter steht eine verständliche Annahme: Der Dienstherr sorgt für seine Beamten, also ist die Arbeitskraft abgesichert. Das stimmt auch — nur setzt die Fürsorge später ein, als die meisten denken, und sie fällt niedriger aus.

Wie häufig der Fall eintritt, zählt eine Wiesbadener Behörde. Nach dem Statistischen Bundesamt wurden 2024 rund 17 Prozent aller Neupensionierten wegen Dienstunfähigkeit in den Ruhestand versetzt, im Durchschnitt mit 55,8 Jahren, bei 55.900 Neupensionären insgesamt (Stand Dezember 2025).

Führend sind psychische Erkrankungen, danach Muskel- und Skeletterkrankungen. Im Lehrberuf liegt der Anteil über dem Durchschnitt — bei der Zahl der Schulen in dieser Stadt betrifft das viele.

Inhalt ein- und ausklappen
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Dienstunfähig ist etwas anderes als berufsunfähig

§26 Abs. 1 BeamtStG nennt dienstunfähig, wer „wegen des körperlichen Zustands oder aus gesundheitlichen Gründen zur Erfüllung der Dienstpflichten dauernd unfähig“ ist. Maßstab ist das abstrakt-funktionelle Amt, nicht dein konkreter Dienstposten.

Als dienstunfähig kann auch gelten, wer innerhalb von sechs Monaten mehr als drei Monate keinen Dienst getan hat und bei wem keine Aussicht besteht, die Dienstfähigkeit wiederzuerlangen. Einen bestimmten Grad der Einschränkung verlangt das Beamtenrecht nicht.

Berufsunfähigkeit ist dagegen ein Begriff des Privatversicherungsrechts. Sie setzt in aller Regel voraus, dass du den zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben kannst.

Der Unterschied ist nicht theoretisch. Der Amtsarzt beurteilt, ob du die Pflichten deines Amtes dauerhaft erfüllen kannst. Der Versicherer beurteilt einen Prozentsatz in einem Berufsbild. Zwei Maßstäbe, zwei mögliche Ergebnisse.

Aus dieser Differenz entsteht der Fall, um den es hier geht: Der Dienstherr setzt dich zur Ruhe, der Versicherer sieht keine 50 Prozent und zahlt nicht. Genau dafür gibt es die Dienstunfähigkeitsklausel.

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Vor der Versorgung steht die Weiterverwendung

§26 Abs. 1 Satz 3 BeamtStG ist eindeutig: In den Ruhestand wird nicht versetzt, wer anderweitig verwendbar ist. Die Absätze 2 und 3 erlauben dem Dienstherrn, dir ein anderes Amt zu übertragen — auch ein geringerwertiges, auch in einer anderen Laufbahn, notfalls nach einer Qualifizierung.

Bleibt wenigstens die Hälfte der regelmäßigen Arbeitszeit möglich, ist von der Zurruhesetzung abzusehen: begrenzte Dienstfähigkeit nach §27 BeamtStG. Wer wieder gesund wird, kann nach §29 BeamtStG reaktiviert werden. Der Ruhestand ist also nicht zwingend das Ende der Laufbahn.

Deine Mitwirkung ist dabei Voraussetzung. Das Bundesverwaltungsgericht hat am 27.06.2024 entschieden, dass den Dienstherrn keine Suchpflicht nach einer anderen Verwendung trifft, wenn der Beamte die amtsärztliche Untersuchung verweigert (Aktenzeichen 2 C 17.23).

Den Weg dorthin bestimmt nicht dein Hausarzt. Das Gutachten erstellt der amtsärztliche Dienst, in Wiesbaden das Gesundheitsamt. Die Zurruhesetzung verfügt der Dienstherr, und die Versorgung der Landesbediensteten berechnet das Regierungspräsidium Kassel.

Im Polizeivollzugsdienst gilt zusätzlich §111 HBG, früher §193 HBG. Polizeidienstunfähig ist, wer den besonderen gesundheitlichen Anforderungen des Vollzugsdienstes nicht mehr genügt und die volle Verwendungsfähigkeit nicht innerhalb von zwei Jahren wiedererlangt.

Wer polizeidienstunfähig, aber nicht allgemein dienstunfähig ist, wird in die Verwaltung versetzt. Das Amt bleibt, die Zulagen des Vollzugsdienstes fallen weg, eine Versorgung gibt es nicht. Für die rund 2.000 Schutz- und Kriminalbeamten des Polizeipräsidiums Westhessen ist das der wahrscheinlichere Verlauf.

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Dein Status entscheidet über die Lücke

  • Beamte auf WiderrufAnwärter und Referendare haben keinen Anspruch auf Ruhegehalt. Bei Dienstunfähigkeit folgt die Entlassung und die Nachversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung. Deren Ansprüche sind gering und meist erst im Rentenalter fällig.
  • Beamte auf Probeversorgt wird zwingend nur, wer infolge eines Dienstunfalls dienstunfähig wird (§28 Abs. 1 BeamtStG). Aus anderen Gründen steht die Zurruhesetzung im Ermessen des Dienstherrn (§28 Abs. 2); in der Praxis wird entlassen und nachversichert.
  • Beamte auf LebenszeitRuhegehalt gibt es erst nach fünf Jahren Dienstzeit, Ausnahme Dienstunfall. Bis dahin stehst du wie ein Beamter auf Probe da.

Danach rechnet Hessen so: 1,79375 Prozent je ruhegehaltfähigem Dienstjahr, höchstens 71,75 Prozent nach vierzig Jahren (§14 HBeamtVG). Wer vor dem 60. Lebensjahr dienstunfähig wird, dem werden zwei Drittel der Zeit bis dahin zugerechnet (§7 HBeamtVG, früher §13).

Bei einer Zurruhesetzung vor dem 63. Lebensjahr mindert ein Versorgungsabschlag von 3,6 Prozent je Jahr das Ruhegehalt, höchstens um 10,8 Prozent. Bei einem Dienstunfall entfällt er. Die beiden Altersgrenzen werden oft verwechselt: 60 begrenzt die Zurechnungszeit, 63 den Abschlag.

Der Dienstunfall ist ohnehin der Sonderfall, in dem alles besser aussieht: keine Wartezeit, kein Abschlag, günstigere Zurechnung. Der Regelfall ist er nicht. Dienstunfähig wird man in aller Regel durch Krankheit, nicht durch einen Unfall im Dienst.

Nach unten greift die Mindestversorgung: amtsabhängig 35 Prozent der ruhegehaltfähigen Dienstbezüge, amtsunabhängig 62 Prozent aus der Endstufe der Besoldungsgruppe A6. Gezahlt wird der höhere der beiden Beträge.

Ein vereinfachtes Rechenbeispiel: A11, dienstunfähig nach acht Dienstjahren. Erdient sind 14,35 Prozent, und auch mit Zurechnungszeit bleibt der Wert unter der Mindestversorgung. Es greifen also die 62 Prozent aus A6.

Diese Endstufe liegt seit dem 1. Dezember 2025 bei 4.007,04 Euro, macht überschlägig rund 2.480 Euro brutto. Überschlägig heißt: ohne Familienzuschlag, ohne Zulagen, ohne deine Vordienstzeiten, vor Steuern und vor dem Beitrag zur privaten Krankenversicherung.

Zum Vergleich: Das durchschnittliche Beamten-Ruhegehalt lag zum 1. Januar 2025 bei 3.416 Euro brutto im Monat (Statistisches Bundesamt). Verbindlich ist keine dieser Zahlen. Deinen Anspruch beziffert allein die Versorgungsauskunft des Regierungspräsidiums Kassel.

Bei einer Lehrkraft in A13, dienstunfähig mit etwa fünfzig nach rund zwanzig Dienstjahren, liegt der Ruhegehaltssatz grob bei 36 bis 40 Prozent, davon geht der volle Abschlag von 10,8 Prozent ab. Wer in Wiesbaden gerade gekauft hat, hält seine Kreditrate dagegen — wie ich ein Budget rechne, steht in Hauskauf in Wiesbaden.

Diese Werte gelten in Hessen. Das Land ist 2004 aus der Tarifgemeinschaft der Länder ausgetreten und besoldet nach eigenem Abschluss; Zurechnungszeit, Abschlag und Mindestversorgung sind ebenfalls Landesrecht. Bei einem Wechsel des Dienstherrn rechnest du neu.

Für Bundesbeamte im Bundeskriminalamt oder im Statistischen Bundesamt gelten dieselben Grundsätze, aber Bundesrecht. Die hessischen Werte oben passen dort nicht.

Wer im öffentlichen Dienst angestellt und nicht verbeamtet ist, kennt keine Dienstunfähigkeit. Für ihn zählt die gesetzliche Erwerbsminderungsrente, und die verlangt, dass in keinem Beruf mehr gearbeitet werden kann. Eine Dienstunfähigkeitsklausel nützt ihm nichts, eine Berufsunfähigkeitsversicherung schon.

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Eine unechte Klausel prüft noch einmal, was der Dienstherr entschieden hat

Eine eigenständige Dienstunfähigkeitsversicherung gibt es nicht. Was unter diesem Namen verkauft wird, ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit einer Klausel, die die Dienstunfähigkeit der Berufsunfähigkeit gleichstellt. Auf deren Wortlaut kommt alles an.

Eine echte Klausel verzichtet auf die eigene Nachprüfung: Liegt die Verfügung des Dienstherrn vor und ist die Dienstunfähigkeit ärztlich nachgewiesen, wird geleistet. Eine unechte Klausel behält sich vor, zusätzlich Berufsunfähigkeit im Sinne der Bedingungen zu prüfen.

Beide Klauseln heißen im Prospekt gleich. Der Unterschied steht in den Bedingungen — und er entscheidet darüber, ob gezahlt wird.

Die zweite Unterscheidung ist die zwischen vollständig und unvollständig. Eine vollständige Klausel leistet auch dann, wenn ein Beamter auf Probe oder auf Widerruf entlassen wird. Eine unvollständige greift erst ab der Lebenszeit — also genau dort nicht, wo die staatliche Lücke am größten ist.

Für Polizei, Feuerwehr und Justizvollzug kommt die spezielle Klausel hinzu. Sie leistet schon bei Vollzugsdienstunfähigkeit, auch wenn eine Versetzung in die Verwaltung möglich ist, und gleicht damit die Einbußen aus, die der Wechsel in den Innendienst mit sich bringt.

Angeboten wird sie selten. Nach der Marktuntersuchung von Franke und Bornberg (Stand 2025) führten zwölf Versicherer eine spezielle Klausel für den Polizeivollzugsdienst, je neun für den feuerwehrtechnischen und den Justizvollzugsdienst — bei 22 Anbietern mit allgemeiner Klausel. Solche Erhebungen sind Momentaufnahmen und altern schnell.

Was darüber hinaus jeden Vertrag trägt — der Verzicht auf die abstrakte Verweisung, der Prognosezeitraum, die Berufsgruppeneinstufung, die anonyme Risikovoranfrage und die Alternativen bei Vorerkrankungen —, steht in Berufsunfähigkeit für Ingenieure und gilt für Beamte unverändert.

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Die Beihilfe bleibt im Ruhestand, bei der Entlassung fällt sie weg

Versorgungsempfänger in Hessen erhalten regelmäßig 70 Prozent Beihilfe ambulant und bis zu 85 Prozent stationär. Den Rest trägt die private Krankenversicherung, und deren Beitrag zahlst du aus der Versorgung. Er fällt im Ruhestand nicht weg.

Anwärter bekommen in Hessen ebenfalls 70 Prozent. Wer stattdessen freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung bleibt, trägt den Beitrag vollständig selbst, denn einen Arbeitgeberzuschuss zur gesetzlichen Krankenversicherung zahlt Hessen nicht. Dieser Punkt wird regelmäßig übersehen.

Was die gesetzliche Kasse kostet und wovon der Beitrag abhängt, habe ich in PKV oder GKV aufgeschrieben. Dort stehen auch die Bemessungsgrenzen, die ich hier bewusst nicht wiederhole.

Bei einer Entlassung aus dem Widerrufs- oder Probeverhältnis entfällt die Beihilfeberechtigung ganz. Der private Vertrag muss dann auf hundert Prozent umgestellt oder gegen die gesetzliche Krankenversicherung getauscht werden. Beides verteuert ausgerechnet den Monat, in dem das Einkommen wegbricht.

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Ich prüfe vor jedem Abschluss dieselben sechs Punkte

Die Statusgruppe bestimmt, wie dringend es ist. Die Bedingungen bestimmen, ob der Vertrag im Ernstfall trägt. Ich gehe dafür immer dieselbe Liste durch, bei einem Neuabschluss wie bei einem bestehenden Vertrag.

  1. Echte Klausel: Leistung bei Verfügung des Dienstherrn und ärztlichem Nachweis, ohne zusätzliche Prüfung der Berufsunfähigkeit.
  2. Vollständige Klausel: Die Entlassung aus Widerruf und Probe ist ausdrücklich geregelt, nicht nur die Zurruhesetzung auf Lebenszeit.
  3. Spezielle Klausel, sofern du im Polizei-, Feuerwehr- oder Justizvollzugsdienst stehst.
  4. Garantierte Leistungsdauer nach einer Entlassung, denn ein entlassener Beamter hat keinen Versorgungsanspruch, auf den er überwechseln könnte.
  5. Nachversicherungsgarantien für jeden Statuswechsel und jede Beförderung, ohne erneute Gesundheitsfragen.
  6. Leistung schon bei begrenzter Dienstfähigkeit nach §27 BeamtStG, denn dieser Fall tritt häufiger ein als die volle Zurruhesetzung.

Wovon ich abrate: einen bestehenden Vertrag zu kündigen, weil ein anderer die bessere Klausel verspricht. Gekündigt wird frühestens, wenn der neue Vertrag policiert ist. Sonst stehst du mit dem Gesundheitszustand von heute ohne Schutz da.

Ebenso rate ich vom Kauf einer speziellen Vollzugsklausel ab, wenn du im Innendienst einer Landesbehörde arbeitest. Du zahlst dann für ein Risiko, das du nicht trägst. Umgekehrt ist sie im Vollzugsdienst nicht verhandelbar.

Und ich rate Anwärtern ab, bis zur Verbeamtung auf Lebenszeit zu warten. In diesen Jahren ist die Versorgungslücke am größten und die Gesundheitsprüfung am leichtesten. Jede Diagnose dazwischen verändert das Ergebnis.

Welcher dieser Punkte für dich zählt, hängt an Status, Besoldungsgruppe und Vorgeschichte. Wie ich die Höhe der Rente rechne und wie die Prüfung abläuft, steht auf der Seite zur Arbeitskraftabsicherung; die anonyme Voranfrage bereite ich im Erstgespräch vor, nicht über ein Formular.

Konkreter nächster Schritt

Erzähl mir, worum es geht. Unterlagen brauchst du zum ersten Gespräch noch keine.

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Finanzberatung in Wiesbaden
Geschrieben vonDaniel MeisterUnabhängiger Finanz- und Versicherungsberater

Ich bin Ingenieur und habe Wirtschaft studiert. Diese Herkunft prägt meine Arbeit: Ich rechne nach, bevor ich empfehle, und ich lege den Rechenweg offen.

Qualifikation
Ingenieur, Wirtschaftsstudium
Arbeitsweise
Über 100 Versicherer, ohne Bindung an ein Haus
Schwerpunkte
Krankenversicherung, Arbeitskraft, Vorsorge