Sachwerte
„Wir suchen in Wiesbaden. Was können wir uns wirklich leisten?“
Hauskauf in Wiesbaden: was du dir wirklich leisten kannst
Daniel Meister · ·8 Minuten
Diese Frage kommt fast immer mit einem Ausdruck aus einem Immobilienportal auf den Tisch. Darauf steht ein Quadratmeterpreis für Wiesbaden, und daraus ist ein Budget geschätzt worden. Beides trägt nicht weit.
Ein Portalpreis ist ein Angebotspreis. Er sagt, was ein Verkäufer aufruft, nicht was am Ende beurkundet wurde. Und ein Budget entsteht ohnehin nicht aus dem Quadratmeterpreis, sondern aus Rate, Eigenkapital und Nebenkosten.
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Der Gutachterausschuss zeigt, was tatsächlich gezahlt wurde
Der Gutachterausschuss für Immobilienwerte der Stadt Wiesbaden wertet jeden notariellen Kaufvertrag aus. Sein Immobilienmarktbericht 2025 für das Berichtsjahr 2024 ist damit die belastbarste Preisquelle, die es für diese Stadt gibt.
- Eigentumswohnungen über alle Baujahre 4.384 Euro je Quadratmeter
- Neubau im Erstverkauf rund 7.000 Euro, Bestand im Wiederverkauf rund 3.750 bis 3.800 Euro je Quadratmeter
- Reihenhaus rund 473.000 Euro, Reihenendhaus rund 517.000 Euro
- Doppelhaushälfte rund 644.000 Euro, freistehendes Einfamilienhaus rund 792.000 Euro
- Bodenrichtwert Wohnbauland im Mittel 1.166 Euro je Quadratmeter, nach 1.389 Euro im Jahr 2023, also 16 Prozent weniger
- 2.211 Kaufverträge, rund 16 Prozent mehr als im Vorjahr, bei rund 1,17 Milliarden Euro Geldumsatz
Der Abstand zwischen Neubau und Bestand ist der eigentliche Befund: fast das Doppelte. Wer mit einem Durchschnitt über alle Baujahre rechnet, rechnet an beiden Segmenten vorbei.
Die Portale stehen daneben, nicht davor. immowelt nennt für August 2026 rund 4.281 Euro je Quadratmeter für Wohnungen und 4.982 Euro für Häuser.
Sechs Portalquellen aus 2025 und 2026 liegen bei Häusern zwischen 4.575 und 4.982 Euro je Quadratmeter. Rund 400 Euro Unterschied, für dieselbe Stadt, im selben Zeitraum.
Für einzelne Stadtteile gibt es nur Portalwerte. Nach der Stadtteilübersicht von immowelt ist Sonnenberg mit rund 5.444 Euro je Quadratmeter der teuerste und Medenbach mit rund 3.488 Euro der günstigste Stadtteil.
Als Rangfolge ist das brauchbar. Als Kalkulationsgrundlage für ein konkretes Objekt nicht.
Die Kaufnebenkosten müssen aus Eigenkapital kommen
In Hessen kommen zum Kaufpreis rund 11 bis 12 Prozent hinzu, wenn ein Makler beteiligt ist, und rund 7,5 bis 8 Prozent, wenn nicht.
- Grunderwerbsteuer6,0 Prozent, unverändert seit dem 1. August 2014. Der größte Einzelposten und der einzige, über den niemand verhandelt.
- Notar und Grundbuch1,5 bis 2,0 Prozent, bundeseinheitlich nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz.
- Maklerprovision des Käufers3,57 Prozent, seit der Halbteilung nach §656c BGB bei Eigentumswohnungen und Einfamilienhäusern.
Bei einem Kaufpreis von 450.000 Euro sind das 27.000 Euro Steuer, rund 7.900 Euro Notar und Grundbuch und 16.065 Euro Maklerprovision. Zusammen rund 51.000 Euro, fällig innerhalb weniger Wochen nach dem Notartermin.
Banken finanzieren die Erwerbsnebenkosten in aller Regel nicht mit. Wer sie ins Darlehen schiebt, kauft dieselbe Immobilie zu einem schlechteren Zins.
Ein kleiner Hebel am Rand: Wird die Grundschuld im selben Notartermin bestellt, sinkt der Gebührenanteil für die Beurkundung spürbar. Danach lässt sich das nicht mehr nachholen.
Der Bauzins ist eine Spanne mit Datum
Es gibt nicht den einen Bauzins, es gibt deinen. Er hängt an Sollzinsbindung, Beleihungsauslauf und Bonität, und er ändert sich täglich.
Dr. Klein nennt zum 3. August 2026 Topkonditionen zwischen 3,69 und 4,32 Prozent, je nach Sollzinsbindung. Finanztip schreibt am 10. August 2026 von Bauzinsen „ab etwa 3,9 Prozent“. Beides sind Momentaufnahmen.
Der Beleihungsauslauf ist der Hebel, den Käufer unterschätzen. Bis 60 Prozent gibt es den Bestzins, zwischen 80 und 90 Prozent kommen 0,1 bis 0,3 Prozentpunkte hinzu, darüber 0,3 bis 0,8 Prozentpunkte.
Dabei rechnet die Bank nicht mit deinem Kaufpreis, sondern mit ihrem Beleihungswert. Darin steckt üblicherweise ein Sicherheitsabschlag von 5 bis 10 Prozent. Wer knapp unter einer Stufe bleibt, spart über die ganze Bindung.
So rechnet sich ein Reihenhaus für 450.000 Euro
Was folgt, ist eine Modellrechnung ohne individuelle Bonitätsprüfung und ohne Förderung, auf Tausender gerundet. Alle Annahmen stehen in der Liste, damit du jede Zeile nachrechnen kannst.
- Kaufpreis 450.000 Euro, also knapp unter dem amtlichen Mittel für ein Reihenhaus in Wiesbaden
- Kaufnebenkosten 11,5 Prozent inklusive Maklerprovision, das sind 51.750 Euro
- Eigenkapital 120.000 Euro; davon gehen zuerst die Nebenkosten ab, es bleiben 68.250 Euro für den Kaufpreis
- Darlehensbedarf 381.750 Euro, gerundet rund 382.000 Euro
- Sollzins 3,9 Prozent, anfängliche Tilgung 2,5 Prozent, zusammen eine Annuität von 6,4 Prozent
- Monatsrate rund 2.037 Euro
- Restschuld nach zehn Jahren rund 265.000 Euro
- Beleihungsauslauf rund 85 Prozent des Kaufpreises, also außerhalb des Bestzinsbereichs
Damit die Rate innerhalb der 35-Prozent-Grenze der Banken bleibt, braucht dieser Haushalt rund 5.800 Euro netto im Monat. Das ist die eigentliche Antwort auf die Frage nach dem Budget.
Ein Prozentpunkt mehr Zins hebt dieselbe Rate auf rund 2.354 Euro. Ein Prozentpunkt weniger Tilgung senkt sie auf rund 1.718 Euro und verlängert die Rückzahlung um Jahrzehnte.
Dass ich so offen rechne, kannst du an anderer Stelle nachprüfen: Beim Rentenlücken-Rechner liegen alle Annahmen sichtbar auf der Seite, nicht in einer Fußnote.
Die 35-Prozent-Regel ist eine Bankenregel, keine Haushaltsplanung
Banken setzen die Monatsrate bei höchstens 35 Prozent des Haushaltsnettos an, bei sehr guter Bonität bis 40 oder 45 Prozent. Das ist ein Grenzwert für die Bank, keine Aussage darüber, ob du damit leben willst.
In der Haushaltsrechnung zieht die Bank Pauschalen ab: rund 800 bis 1.000 Euro Lebenshaltung für die erste Person, Zuschläge je weiterer Person, dazu 2,50 bis 3,00 Euro je Quadratmeter Wohnfläche für die Bewirtschaftung.
Pkw und laufende Kredite mindern das verfügbare Einkommen zusätzlich. Ein Ratenkredit über 300 Euro Monatsrate kostet dich in dieser Rechnung rund 56.000 Euro Kaufpreis.
Sinnvoll ist darüber hinaus ein Puffer von 300 bis 500 Euro monatlich, der in keiner Bankrechnung steht. Er ist der Unterschied zwischen einer Finanzierung, die aufgeht, und einer, die eine kaputte Heizung übersteht.
Nach dem Kauf laufen Kosten weiter, die im Exposé nicht stehen
Die Grundsteuer folgt in Hessen seit 2025 dem Flächen-Faktor-Verfahren. Wiesbaden hat den Hebesatz der Grundsteuer B zum 1. Januar 2025 von 492 auf 690,06 Prozent gesetzt.
Die Zahl klingt nach Verdopplung, ist aber aufkommensneutral gerechnet: Die Messbeträge im neuen Verfahren sind entsprechend niedriger. Was du zahlst, steht erst in deinem Bescheid.
Bei einer Eigentumswohnung kommt das Hausgeld hinzu, üblich sind 3,50 bis 4,50 Euro je Quadratmeter im Monat. Der Anteil für Verwaltung und Instandhaltungsrücklage ist nicht umlagefähig.
Liegt die Rücklage unter 0,80 bis 1,50 Euro je Quadratmeter und Monat, sehe ich mir die Protokolle der Eigentümerversammlungen genauer an. Eine zu niedrige Rücklage ist eine Sonderumlage mit Verzögerung.
Beim Hauskauf greift §47 GEG. Nach einem Eigentümerwechsel bei Ein- und Zweifamilienhäusern sind binnen zwei Jahren die oberste Geschossdecke oder das Dach zu dämmen, Heizungs- und Warmwasserrohre zu dämmen und Heizkessel über 30 Jahre auszutauschen.
Ausgenommen ist, wer das Haus schon vor Februar 2002 selbst bewohnt hat, dazu Denkmalschutzfälle. Der Bußgeldrahmen reicht bis 50.000 Euro. Diese Beträge gehören ins Budget, nicht in die Hoffnung.
Förderung verschiebt das Budget, aber nur in der richtigen Reihenfolge
Zwei hessische Programme sind beim ersten selbstgenutzten Eigentum fast immer zu prüfen. Das Hessengeld ist ein nicht rückzahlbarer Zuschuss zur Grunderwerbsteuer, das Hessen-Darlehen der WIBank ein zinsgünstiges Nachrangdarlehen mit 1,60 Prozent Sollzins und 20 Jahren Bindung.
Beide haben Bedingungen, Fristen und Deckelungen, die einen eigenen Text füllen. Sie stehen in Hessengeld und Hessen-Darlehen.
Ein Beispiel dafür, warum ich Zahlen an der Quelle nachsehe: Für das Hessen-Darlehen tragen Ratgeberportale bis heute 0,60 Prozent Sollzins weiter. Der Wert stammt aus einer Pressemeldung vom 1. Juni 2023 und war damals richtig.
Auf den Produktseiten der WIBank stehen am 1. September 2026 1,60 Prozent. Wer mit dem alten Wert kalkuliert, plant mit einer Rate, die es nicht gibt.
Für Wiesbaden fehlt in vielen Übersichten der Baustein, der hier am besten passt: KfW 308 „Jung kauft Alt“. Gefördert wird der Kauf eines sanierungsbedürftigen Bestandsgebäudes durch Familien mit mindestens einem Kind.
Voraussetzung sind Effizienzklasse F, G oder H und eine Sanierung binnen viereinhalb Jahren. Zum 3. August 2026 wurden die Höchstbeträge auf 140.000, 160.000 und 180.000 Euro bei einem, zwei sowie drei und mehr Kindern angehoben.
Der Effektivzins lag Anfang August 2026 je nach Laufzeit zwischen 0,01 und 0,53 Prozent. Mit KfW 300 lässt sich das Programm nicht kombinieren, mit dem Hessengeld schon.
Wiesbaden hat viel Gründerzeit- und Nachkriegsbestand in genau diesen Effizienzklassen. Deshalb steht KfW 308 hier öfter zur Debatte als die Neubauförderung.
Die Reihenfolge entscheidet: KfW und Hessen-Darlehen müssen vor dem Kaufvertrag beantragt sein, das Hessengeld erst danach. Wer das vertauscht, verliert die Förderung, nicht nur Zeit.
In Wiesbaden rechnen Banken mit auffällig vielen Beamtenhaushalten
Wiesbaden ist Landeshauptstadt, und entsprechend häufig liegt in meiner Beratung mindestens ein Beamteneinkommen auf dem Tisch. In der Finanzierung ist das ein Vorteil: unbefristetes Dienstverhältnis, planbare Bezüge, gute Bonität.
Die Lücke liegt woanders. Wer in den ersten Dienstjahren dienstunfähig wird, hat ohne private Absicherung kaum noch Einkommen, aber weiterhin ein Darlehen. Was dabei zählt, steht in Beamte und Dienstunfähigkeit.
Es gibt vier Fälle, in denen ich vom Kauf abrate
- Die Nebenkosten stehen nicht bereit. Wer rund 51.000 Euro Erwerbskosten mitfinanzieren muss, startet jenseits von 100 Prozent Beleihung und zahlt diesen Aufschlag über die gesamte Zinsbindung mit.
- Die Rate trägt nur mit zwei Einkommen. Dann hängt das Haus an der Arbeitskraft beider. Diese Prüfung gehört vor den Kaufvertrag; wie technische Berufe eingestuft werden, steht in Berufsunfähigkeit für Ingenieure.
- Die Restschuld bei Renteneintritt ist nicht tragbar. Bei 2,5 Prozent Anfangstilgung dauert die Rückzahlung rund 30 Jahre. Wer mit 45 beginnt, zahlt bis 75.
- Der Sanierungsstau ist nicht durchgerechnet. Bei einem unsanierten Haus der Klasse G oder H addieren sich §47 GEG, Heizungstausch und Energiekosten zu einem Betrag, der den günstigeren Kaufpreis auffressen kann.
Ein Finanzierungsgespräch beginnt mit Unterlagen, nicht mit Objekten
Bevor eine Bank eine belastbare Zusage gibt, braucht sie eine vollständige Selbstauskunft und die Objektunterlagen: Grundbuchauszug, Wohnflächenberechnung, Energieausweis, bei Wohnungen zusätzlich Teilungserklärung und die Protokolle der letzten Eigentümerversammlungen.
Für den Bankenvergleich ziehe ich einen Finanzierungsexperten aus dem Königswege-Verbund hinzu, zugelassen als Immobiliardarlehensvermittler nach §34i GewO. Er fragt mehrere Häuser parallel an und vergleicht nicht nur den Effektivzins, sondern auch Sondertilgung, Tilgungssatzwechsel und die bereitstellungszinsfreie Zeit. Ich bin dabei und kümmere mich um das, was daneben steht: die Absicherung der Rate. Wie beides zusammenläuft, steht auf Finanzierungen.
Was wir zuerst brauchen, ist keine Objektauswahl, sondern deine Zahlen: Nettoeinkommen, vorhandenes Eigenkapital, laufende Verbindlichkeiten und die Rate, die du im Alltag nicht spüren willst.
Daraus entsteht ein Budget. Und erst aus dem Budget eine Liste von Stadtteilen, die dazu passt.
Erzähl mir, worum es geht. Unterlagen brauchst du zum ersten Gespräch noch keine.
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Ich bin Ingenieur und habe Wirtschaft studiert. Diese Herkunft prägt meine Arbeit: Ich rechne nach, bevor ich empfehle, und ich lege den Rechenweg offen.
- Qualifikation
- Ingenieur, Wirtschaftsstudium
- Arbeitsweise
- Über 100 Versicherer, ohne Bindung an ein Haus
- Schwerpunkte
- Krankenversicherung, Arbeitskraft, Vorsorge
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